Der „Lechtl Marsch“

Im Juni 2015 komponierte Gernot Niederfriniger, Obmann des Südtiroler Volksmusikkreises, den „Lechtl Marsch“, den er unserer Familie widmete und nach unserem Hof benannte. Gernot sieht von seinem Küchenfenster aus direkt auf den Lechtlhof hinauf. Wer weiß, vielleicht war es dieser Blick aus dem Fenster, der ihn eines Tages dazu inspirierte den „Lechtl Marsch“ zu komponieren?

Uraufführung des Lechtl Marsches mit der Storchenmusi am Lechtlhof

Die Uraufführung des „Lechtl Marsches“ fand dann auch in der Stube des Lechtlhofs statt. Gernot trug das schwungvolle Musikstück gemeinsam mit seiner „Storchenmusi“ vor, wir bedankten uns mit einer Hofführung und einer ordentlichen Marende. Seither gehört der „Lechtl Marsch“ zum festen Repertoire der Storchenmusi und wir freuen uns ein jedes Mal darüber, wenn wir ihn auf einer Veranstaltung hören dürfen.

Lieber Gernot, wir haben uns wirklich sehr über diese musikalische Widmung gefreut.
Herzlichen Dank von den Lechtlern!

Der Lechtlhof und seine Baulichkeiten

Dass der Lechtlhof bereits in der Vergangenheit eine besondere Stellung innehatte, davon zeugen das kleine Kirchlein und die ehemalige Schmiede, die zusammen mit dem Wohnhaus ein einmaliges Ensemble darstellen. Nicht umsonst diente es gar einigen Hobbykünstlerinnen und -künstlern als Motiv. Akustisch ist die Lechtlkapelle ebenfalls interessant. Dies stellte auch die Gambistin Helga Bick fest, die während ihres Urlaubes am Lechtlhof  ihre täglichen Übungsstunden in der Lechtlkapelle verbrachte - bewacht von den vier musizierenden Engeln an der Gewölbedecke. 
Zudem hat man man von der Kapelle aus einen herrlichen Blick über das ganze Tal.

Aquarell vom Lechtlhof in Mals in Südtirol
Aquarell vom Lechtlhof in Mals in Südtirol

Das Kirchlein des Lechtlhofs ist „Maria Geburt“ geweiht (Patrozinium 8. September) und steht unter Denkmalschutz. Die Ursprünge der Lechtlkapelle gehen auf die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Mitte der 1850er Jahre wurde die Kapelle auf ihre heutige Größe erweitert.

Beim Grillen in der alten Schmiede am Lechtlhof
Beim Grillen in der alten Schmiede am Lechtlhof

Die Schmiede ist mittlerweile nicht mehr in Betrieb. Sie wird den Gästen als gemütlicher Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt. Wo früher Eisen geschmiedet wurde können die Gäste heute grillen. In der Schmiede ist auch die alte Mühle des Hofs ausgestellt.

Zu Füßen des Lechtlhofs liegt der bekannte „Tartscher Bühel“ mit der romanischen St. Veith Kirche. Vom Hof aus hat man einen wunderbaren Blick auf den sagenumwobenen „Tartscher Bichl“ wie er im Vinschger Dialekt genannt wird. Es wird wohl seine Gründe haben wieso der Lechtlhof genau oberhalb dieses besonderen Ortes errichtet worden ist. Denn genau so besonders fühlt es sich auch an, wenn man auf den Hof kommt.

Geschichte des Lechtlhofs

Der Überlieferung nach stand der Lechtlhof ursprünglich einmal im Eigentum des Bischofs von Chur. Der Name Lechtl stammt vermutlich vom Wort „Lehen“ ab. Im Mittelalter war es verbreitet, dass der Lehensherr seinem Lehensempfänger Land zur Verfügung stellte. Für die Bereitstellung des Landes bzw. des Hofs verpflichtete sich der Lehensempfänger unterschiedliche Dienste und Abgaben an den Lehensherren zu leisten. Sprachlich hängt der Ausdruck „Lehen“ mit „leihen“ zusammen und bedeutet so viel wie „geliehenes Gut“.

Wechselvoll ist die Geschichte des Lechtlhofs. Anfangs des 19. Jahrhunderts marschierte Napoleon in Tirol ein. Der Lechtlhof wurde niedergebrannt nachdem die französischen Soldaten über das Schweizer Münstertal in den Obervinschgau eingefallen waren. Spuren des damaligen Brandes sind noch heute im alten Keller des Hofs zu sehen. Aus einem alten Stück Holz, das damals nicht verbrannt ist (weil es unterhalb des alten Backofens eingemauert war), wurde die hölzerne Tischplatte des Küchentischs in der Ferienwohnung „Plattei“ gefertigt.

Karolina Patscheider, (*1895) und Johann Theiner (*1888) mit ihren 11 Kindern in den 1940er Jahren
Karolina Patscheider, (*1895) und Johann Theiner (*1888) mit ihren 11 Kindern in den 1940er Jahren
(2 Kinder waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben)

1926 tauschten Karoline Patscheider und Johann Theiner, die Großeltern des heutigen Besitzers, ihren Hof, der sich in der Nachbarschaft befand, gegen den Lechtlhof ein. Die Großmutter von Georg war eine geschäftstüchtige Frau. Sie sah im Kauf des Lechtlhofs vor allem den Vorteil, dass dieser näher zum Ortszentrum von Mals lag als der Hof, auf dem sie bisher gelebt hatten und sie auf dem Lechtlhof die alleinigen Eigentümer waren (der Nachbarhof hatte ihnen nur zur Hälfte gehört). Familie Theiner musste zum eingetauschten Hof zusätzlich noch 60.000 Lire aufbringen, was zu dieser Zeit sehr viel Geld war. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahr und im Verlauf der 1930er Jahre, als der Verkauf von Kühen und Fleisch nichts mehr einbrachte, wuchs der Schuldenberg der Familie immens an. Für die 15-köpfige Familie war dies eine harte Zeit. Durch den Bau der "Malettesstraße" oberhalb des Lechtlhofs (heute ein beliebter Wanderweg) und eines Druckstollens seitens des italienischen Staates zur Beförderung von Wasser vom Reschen-Stausee zum E-Werk nach Schluderns bzw. von Matsch zum Reschen-Stausee, konnte die Familie etwas Geld dazu verdienen. So z.B. transportierten die am Hof lebenden Männer Sprengstoff vom Tal zum Lechtlhof herauf, während die Frauen die italienischen Arbeiter bewirteten. Dadurch war die Familie schlussendlich doch in der Lage die Schulden bei der Bank zurück zu zahlen.

Die Lechtlkapelle
Die Lechtlkapelle

Der Familienname „Theiner“

Es wird vermutet, dass sich der im Vinschgau weit verbreitete Familiennamen „Theiner“ vom Vinschger Wort „Thein“ ableitet. Die „Thein“ ist die Bezeichnung für einen Feldstreifen oder einen Ackerteil zwischen zwei Wegen oder zwei Waalen. So trägt auch das höchstgelegenste Feldstück unseres Hofs den Namen „bei den Holztheinen“. Ein Waal ist ein vom Menschen angelegter Bewässerungskanal oder -graben, der Wasser aus einem Bach zu oft sehr weit entfernt gelegenen landwirtschaftlichen Kulturen leitet. Besonders im Südtiroler Vinschgau sind die Niederschlagsmengen wegen der geografischen Lage so gering, dass die Landwirtschaft dort auf eine künstliche Bewässerung angewiesen ist. Aus diesem Grund entstand dort eines der ausgedehntesten Bewässerungssysteme in den Alpen.

 

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